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Martinsfest - Wir feiern Martini

Florian Russi

Kleine Broschüre mit Texten und Liedern zum Martinstag

Laterne, Laterne ... Im dunklen Monat November hält das Martinsfest einen Lichtpunkt für uns bereit. Vor allem Kinder freuen sich weit im Voraus auf den Martinstag, um mit ihren leuchtenden Laternen durch den Ort zu ziehen. Die Hintergründe zur Geschichte des festes und den traditionellen Bräuchensind in dieser Broschüre festgehalten. Mit einer Anleitung für eine selbstgebastelte Laterne, drei leckeren Rezepten und vielen Liedern, Gedichten und Reimen ist sie ein idealer Begleiter für jedermann.

Des Mönchs Sprüchwort

Des Mönchs Sprüchwort

Ludwig Bechstein

Ludwig Bechstein erklärt in seinem Vorwort zum Deutschen Sagenbuch (veröffentlicht 1853), wie er bereits als Jugendlicher die Liebe zur Poesie und den Sagen fand. Vor allem der reiche Sagenschatz seiner Heimat Thüringen und dem Thüringer Wald hat ihn bereits früh beeindruckt. Seine Sammeltätigkeit bezog sich aber auf das gesamte deutschsprachige Gebiet. Er bediente sich mündlicher und schriftlicher Quellen, so zum Beispiel bereits veröffentlichter Sagensammlungen, aber auch Ortschroniken.
Nummer 622 der 1000 von Bechstein gesammelten und zusammengetragenen Sagen berichtet von einem ganz besonderen Hass eines Mönches in Meißen und wie dieser bestraft wurde.

Anna Hein

 

Des Mönchs Sprüchwort


Im Stift St. Afra zu Meißen war ein Mönch, der hatte einen besondern Haß gegen das weibliche Geschlecht und sich, wie jener Graf von Schwarzburg, ein häßliches Sprüchwort angewöhnt; sooft ihm vorkam, ein Mägdlein taufen zu müssen, oder daß ihm ein Taufzug begegnete, der ein Mägdlein zur Taufe in das Gotteshaus brachte, so sagte er: Erst getäuft, dann ersäuft. Solchen ungerechten Haß und solches Sprüchwort behielt er bei bis zu ziemlich hohen Jahren. Eines Tages ging er über die Meißner Elbbrücke, die zu ihrer Zeit als die künstlichste in ganz Deutschland gepriesen ward, obschon sie nur von Holz, da begegnete ihm wiederum ein Taufzug mit vielen Begleitern und nebenher sich drängenden Neugierigen, und der Mönch stellte sich ausweichend zur Seite, lehnte sich an das Brückengeländer und murmelte: Wieder eine! Ha - erst getäuft, dann ersäuft, das wäre das beste! - Indem so brach das Geländer, der Mönch stürzte kopflings hinab in den Strom und mußte elendiglich ersaufen. Solches ist im Jahr 1505 geschehen, und hat nachher der Mönch, gleichwie der zu Dresden, lange auf der Elbbrücke spuken müssen.
 

 

 

Textquelle: Deutsches Sagenbuch von Ludwig Bechstein. Mit sechzehn Holzschnitten nach Zeichnungen von A. Erhardt. Verlag zu Meersburg und Leipzig 1930. 

Bildquelle: Matthäus Merian, gemienfrei, Wikipedia 

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