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FLECHTWERK - Lebebendige Nachbarschaft und Integration

Die Deutschen sind ofener geworden und haben gleichzeitig mehr Sinn für Heimat, Familie und Nachbarschaft entwickelt. Es müssen neue Wege gesucht werden, um Ausgrenzung und Anonymität zu verhindern.

Die Sagen vom Bischoff Benno von Meißen

Die Sagen vom Bischoff Benno von Meißen

Johann Georg Theodor Grässe

Die Sagen vom Bischoff Benno von Meißen

Der berühmteste aller Bischöffe von Meißen ist der H. Benno, ein Graf von Wolderburg oder Bultenburg aus Sachsen. Er war mit seinem 18ten Jahre zu Hildesheim, wo er in J. 1010 geboren war, in's Kloster getreten, ward im 30sten zum Priester geweiht, hierauf Abt daselbst, dann zu Goßlar zum Propst gewählt und, nachdem er 17 Jahre hier verlebt, durch den Bischoff Anno von Cölln 1066 zum Bischoff von Meißen vorgeschlagen und ist als solcher am 16. Juni 1106 gestorben, auch wegen der von ihm gethanen vielen Wunder im J. 1523 vom Papst Hadrian VI. canonisirt worden.

α) Als der Bischoff Benno im Jahre 1076 zum Concilium nach Rom zog, um sich zu Gregor VII. zu begeben, für den er gegen Kaiser Heinrich IV. Parthei genommen hatte und deshalb auch von diesem 1075 einige Zeit ins Gefängniß gesetzt worden war, übergab er zwei Chorherren die Kirchenschlüssel und befahl ihnen, wenn der Kaiser in den Bann gethan werden sollte, die Kirche zu sperren und jene in die Elbe zu werfen. Dies geschah auch. Als nun aber Benno von der heiligen Stadt zurückkam, kehrte er wie ein gewöhnlicher Pilgrim, um unerkannt zu bleiben, in einer öffentlichen Herberge ein. Hier ließ ihn der Wirth einen Fisch zum Essen vorrichten, als er aber dessen Leib aufschnitt, fanden sich darin die Kirchenschlüssel, und alsbald strömte Alles in die Kirche, um das Wunder zu sehen und ihren Kirchenhirten zu empfangen.

β) Die Hauptaufgabe des heiligen Mannes war aber die heidnischen Slaven und Wenden zum christlichen Glauben zu bekehren, und dazu hatte ihm der Papst besondere Vollmacht ertheilt. Er forderte also Alle, die da kommen wollten, zu sich in die Stadt Meißen, und als bald ein solcher Zulauf entstand, daß in der Stadt nicht mehr genug Raum und Herberge für sie war, versammelte er das Volk in einem schönen sonnigen Grunde, ohngefähr 1000 Schritte von der Stadt gelegen. Als er nun eines Tages hier predigte und die
Sonne sehr heiß schien und die Leute vor Durst fast erstickten, da ließ Gott auf sein Bitten einen Quell aus der Erde entspringen, durch dessen kühles Wasser Alle gestärkt und erquickt wurden. Davon heißt der Grund noch jetzt das heilige Thal und die Quelle S. Bennos Brunnen.

γ) Eines Abend wollte der h. Benno spät von dem heiligen Thale aus nach Meissen zurückkehren. Da fürchtete er, man möge, wenn er weit umginge, die Thore schließen. Er machte also das Kreuz vor sich, und ging trockenen Fußes über die Elbe. Ein Müller, der hinter ihm herfuhr, sah das und sagte bei sich: in dem Namen dessen, durch den Bischoff Benno hinüber gekommen, will ich auch hinüber, und so folgte er ihm mit Pferden und Wagen; als er aber hinüber war, da hat ihn der heilige Mann mit ernsten Worten angeredet und verboten, dies niemals wieder zu thun, so lange er lebe. Der zerbrochene Weinpfahl, dessen er sich bei jenem wunderbaren Uebergange über den Strom als Stab bedient haben soll, wurde noch bis vor Kurzem in der Domkirche zu Meißen als einzige Reliquie des Heiligen gezeigt.

δ) Eines Tags kam der h. Benno während der Erntezeit auf's Feld und fand, wie die Schnitter vor großer Hitze und Arbeit matt und erschöpft waren; er machte also stillschweigend ihnen ihr mitgebrachtes Wasser zu Wein und ging davon, sein Begleiter aber, der das gesehen, nahm ein hölzernes Gefäß mit Wasser und sagte zu den Schnittern: gebt Acht, ich will Euch wie mein Herr das Wasser zu Wein machen, schlug das Kreuz darüber, wie er es von diesem gesehen hatte, und von Stund an war das Wasser zu Wein geworden, und die erstaunten Schnitter labten sich damit.

ε) Eines Tages ging er auf's Feld hinaus, und als er andächtig an einem Teiche hin- und hergehend die Weisheit Gottes in der Kreatur überdachte, störten ihn die Frösche mit ihrem Geschrei in seinem Gebete. Er gebot ihnen also, still zu schweigen, und sie verstummten. Da fiel ihm der Spruch ein: es loben und benedeyen Gott alle Thiere und Bestien und Alles, das im Wasser bewegt wird. Er dachte also, vielleicht möchte ihr Gesang Gott lieber, als sein schwaches Gebet sein, er gebot ihnen also, wiederum zu singen und zu schreien, so viel als sie vorher gethan hätten. Daß aber noch jetzt im heiligen Grunde wohl Frösche wohnen, dieselben aber nie einen Ton von sich geben, soll daher kommen, daß Luther ihnen wieder ihr Geschrei verboten hat.

ζ) Da es die Gewohnheit des heiligen Mannes war, um nicht durch den ungeheuren Zulauf der Leute und ihre Verehrung in Hoffart zu verfallen, sich zuweilen in die Einsamkeit zu begeben, so zog er einst auch mit einem Caplan in das Dorf Naumburg, zwischen Grimma und Mügeln gelegen, und erbaute daselbst in der Kirche eine Zelle, worin er mit seinem Diener in tiefer Beschaulichkeit lange Zeit lebte. Des Nachts ging er vor das Dorf hinaus spazieren und betete auf einem Acker, und bis auf den heutigen Tag soll da, wo er seinen Fuß hinsetzte, das Korn eher reif werden und fetter und voller wachsen, als irgend wo anders. Wenn er aber wollte, konnte er, so erzählen sich die Einwohner daselbst, in Meißen zum Gottesdienst und zum Morgenessen doch wieder in ihrem Dorfe sein. In der Kirche stand er aber noch zu Anfange des 16. Jahrhunderts zum ewigen Andenken mit Stab und Inful und der Unterschrift Sanctus Benno abgebildet.

η) Markgraf Heinrich zu Meißen, ein Anhänger Kaiser Heinrichs IV., der 1097 wieder in den Besitz seiner Länder, die er durch die Achtserklärung (1087) verloren hatte, gelangt war, suchte nicht blos die früher der Kirche geraubten Güter zu behalten, sondern auch noch mehrere an sich zu ziehen und drückte die Armen, Wittwen und Waisen auf's Aeußerste. Da stellte ihn Benno einst ernstlich darüber zu Rede, aber der Markgraf gerieth in großen Zorn und gab dem frommen Greis einen Backenstreich. Der Bischoff aber that darauf weiter nichts, als daß er antwortete: diese That wird über ein Jahr an demselben Tage gerochen werden. Dies kümmerte den Markgrafen wenig, vielmehr spottete er darüber, und als der gedrohte Tag herangekommen war, da ließ er sich hochmüthig vernehmen, der Tag sei ja ohne allen Nachtheil für ihn angebrochen. Allein derselbe war noch nicht zu Ende, denn plötzlich erschien der h. Benno, der unterdessen gestorben war, dem Markgrafen mit zornigen Geberden, dieser aber erschrack sehr und rief die Seinen zu Hilfe, allein vergebens, er stürzte zu Boden und starb.

ι) Der zu Grimma verstorbene (d. 10. Febr. 1407) Markgraf Wilhelm der Einäugige drückte das Hochstift Meißen mit Steuern und andern Auflagen über die Maßen, und umsonst bat ihn der Dompropst Brutenus um Abhilfe. Der letztere betete also zum h. Benno um Unterstützung, und dieser erschien auch dem Markgrafen in Traume und ermahnte ihn, von seinen Unbilden abzustehen; da aber dessen Räthe ihm einredeten, es sei nur ein Traum und nichts darauf zu geben, und er also in seiner Bedrückung fortfuhr, erschien ihm der Heilige zum zweiten Male und brannte ihm mit einer Fackel ein Auge aus, der Markgraf aber, der nun wohl merkte, wie jene Erscheinung kein Traum gewesen, that Buße, ersetzte den Beraubten alle Schäden und gab ihnen mehr, als sie vorher besessen hatten.

κ) Seine Domherren und Geistlichen schützte er oft vor Unglück, wenn sie sich aber schlecht betrugen, strafte er sie heftig und sichtbarlich: sonst erinnerte er aber noch einen jeden einige Tage vor seinem Ende, daß seine Stunde gekommen sei und er Buße thun müsse.

Im Jahre 1270 ließ Bischoff Witigo die Gebeine des h. Benno aus dem Winkel im Chor, wohin er sich hatte begraben lassen, wegnehmen, mit Wein waschen und säubern und mitten in die Kirche begraben und sein Grab mit einem Gitter umgeben, mit dem Weine aber viele krankhafte Menschen wie mit köstlichen Salben bestreichen, und sollen diese davon heil und gesund worden sein. Als er nun im Jahre 1523 heilig gesprochen wurde, sind seine Gebeine von Bischoff Johann VII. und Adolph Bischoff von Merseburg in Gegenwart des Herzogs Georg des Bärtigen, seiner zwei Söhne und Herzogs Heinrich etc. abermals herausgenommen und in ein marmornes Grab gelegt worden, allein 1539 hat Herzog Heinrich die Verehrung derselben aufgehoben, seine Gebeine wurden erst nach Stolpen und dann nach Wurzen geflüchtet und gelangten endlich 1576 nach München, wo sie noch sind. Sein Bett, welches früher in einer neben dem Wappensaale der Albrechtsburg befindlichen Kammer gezeigt wurde, von dem sich viele Gläubigen Spähne abschnitten, die gegen verschiedene Leiden helfen sollten, und in dem angeblich Niemand liegen, geschweige denn schlafen konnte, ist von den Schweden 1645 verbrannt worden.

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Johann Georg Theodor Grässe, Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Bd. 1. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage, Dresden 1874, S. 42-46.
 

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