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Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerinerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Liebesbrief

Liebesbrief

Anna Hein

Nach der Außensanierung des spätgotischen Rathauses Meißens, zwischen 1470-1486 erbaut, wurde 2006 mit der Innensanierung begonnen. Am 8. Januar 2008 machten zwei Bauleute der Firma Rauschenbach & Ringel aus Meißen einen außergewöhnlichen und wertvollen Fund:
Im Zwischengeschoss des Hautgebäudes, einem zugemauerten Deckenbogen, kam ein Stück Papier und schließlich ein ganzer Brief zum Vorschein. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen 200 Jahre alten Liebesbrief handelt. Leider fehlt ein Datum, Experten schätzen aber, dass der Brief zwischen 1780 und 1800 entstanden ist. Das Papier ist in gutem Zustand und die Schrift gut lesbar, so dass der Inhalt transskribiert werden konnte. Der Brief ist Zeugnis einer unglücklichen Liebe, vielleicht von einem Schreiber des Rathauses verfasst? Die korrekte und geschwollene Sprache könnte auf einen Mitarbeiter der Schreibstube schließen lassen. Ob der Brief jemals zugestellt und wieder, wie im Brief gefordert, zu seinem Verfasser zurückgebracht wurde, lässt sich leider nicht nachvollziehen. Vielleicht wurde der Brief auch ungelesen zwischen den Dielenböden des Rathauses versteckt und dort vergessen.
Der Brief ist heute in der Ausstellung des Stadtmuseums zu sehen. Aber auch verschiedene Stellen des wunderbar sanierten Rathauses verweisen auf den traurig-schönen Fund.

 

 

 

Liebes Mädchen,
Das Zutrauen, welches ich Dir bei der ietzigen Ange=
legenheit bewiesen, wird Dich hoffentlich über=
zeugen, wie sehr ich Dich schätze. Deine gütige
Zuschrift hat mich um so mehr gefreuet, da
ich in solcher das Geständnis Deiner Liebe,
welche mir das schätzbarste ist, erhalten ha=
be, und Du kannst gewiß versichert seyn,
daß ich mich bemühen werde, Dir an den
Tag zu legen, dass Du solche keinen Un=
dankbaren geschenket hast. Mein innig=
ster herzlichster Wunsch ist nun der, Dich
recht glücklich zu machen, und ich werde da=
her alles beitragen, was die Erfüllung
desselben bewirken kann, jemehr Du
dieses auch Deines edlen Herzens wegen
verdienst. Nach meinem Grundsatze macht
nicht Vermögen, sondern wahre Liebe ver=
bunden mit wechselseitiger Uiberein=

1. Seite

 

stimmung das Glück des Lebens aus, und
nach diesem Grundsatze werde ich handeln.
Daß Du sagst, Du wollest Deine Liebe zu
mir zu unterdrücken suchen, beunruhi=
get mich ungemein, da, nach nach mei=
ner Versicherung, mir solche das ange=
nehmste ist, und ich in solchem mich ein=
zig glücklich fühle. Beunruhige Dich, ich
bitte Dich, gutes liebenswürdiges Mäd=
chen nicht, denn mein Herz kann nur
Dich lieben, und nichts wird diese Lie=
be verlöschen können. Wenn Du schreibst,
dass ich zu Deiner Ruhe, Dich zu sehen mei=
den soll, so hast Du gewiß nicht über=
legt, dass Du hierdurch mehr als grau=
sam an mir handelst, in dem die Ausfüh=
rung dessen fast unmöglich ist. Schenke
mir, theuerstes Mädchen das süße Be=
wußtseyn Dein Herz ungetheilt zu besitzen,
und sey versichert, dass ich unverändert bin
dein ( *)

Um die Zurückgabe dieser und der vorigen Zeilen bitte Ich recht sehr, da dies die Vorsichtigkeit erfordert. 

2. Seite

 

 

* Hier steht ein Großbuchstabe
Transskribiert am 08.01.2007 durch Georg Krause. Aufgefunden im Rathaus Hauptgebäude Zwischengeschoss
Mittelwand 2.Bogen von West (BA7) von Herren Günter Wenzel und Gerold Küttner, Fa. Rauschenbach & Ringel aus Meißen

 

 

Text- und Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Stadt Meißen.

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