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Paulus Luther

Sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben. Ein wahrhaftiger Roman

Christoph Werner

Ein lesenswerter und informativer historischer Roman, der das Leben Paul Luthers - jüngster Sohn Martin Luthers und seines Zeichens fürstlicher Leibarzt und Alchimist - erzählt.

Geschichte der Reformation zu Meißen

Johann Ludwig Rüling

Geschichte der Reformation zu Meißen

im Jahre 1539 und den folgenden Jahren...

"Dieser klägliche Zustand der kirchlichen Verfassung und des Schulwesens in Meißen und den übrigen von Georg beherrscht gewesenen Landestheilen bewog den Herzog Heinrich bald nach seinem Regierungsantritt zur Fortsetzung des Reformationswerkes, wie er es bereits in seinem bisherigen kleinem Gebiet so glücklich begonnen hatte. Zu dem Ende besprach er sich mehrmals mit seinem Vetter, dem Kurfürsten von Sachsen Johann Friedrich und fragte diesen und dessen Gottesgelehrte, vor allen den D. Luther, nicht nur um Rath über die weiter auszudehnende Kircheverbesserung, sondern bat sich auch von ihm Männer aus, denen er ein so wichtiges Geschäft unbedenklich anvvertrauen könne. Der Kurfürst, um des Erfolges seiner Rathschläge noch sicherer zu seyn, überließ ihm daher abermals, und zwar jetzt für das ganze herzogliche Meißnerland, seine berühmten Theologen, D. Justus Jonas (dieser reisete den 5. Juli von Wittenberg ab) und M. Georg Spalatin, nicht minder den tüchtigen Staatsbeamten, D. Melchior von Creuzen (Creuz), denen nun der Herzog aus seinem Landesadel die Rittergutsbesitzer Caspar von Schönberg und Rudolph von Rechenberg an die Seite setzte.

D. Justus oder Jodocus Jonas wuirde am 5. Juni 1493 in Nordhausen, wo sein Vater Bürgermeister war, geboren und widmete sich in der Folge zu Wittenberg der Rechskunde, worin er es bis zum Licentiat gebracht hat, späterhin (1520), besonders auf des Erasmus Antrieb, der Theologie, deren Doctor er ebendaselbst im Jahre 1521 geworden ist. Zu derselben Zeit erscheint er als Erfurter Canonicus, (er wär es 1516 bis 1521, wo man ihm die Präbende nahm) und (seit dem 6. Juni 1521) Probst des Wittenberger-Allerheiligen-Stiftes, nachdem er vor Gelangung zu dieser und der Doctor-Würde Luthers Begleiter auf dem Reichstag zu Worms gewesen. Sowohl bei dem Marburger Religionsgespräch, als auch am Reichstage in Augsburg (1530), finden wir ihn gegenwärtig, dann aber, wie früher, als Prediger und Professor der Theologie in Wittenberg, als welcher er das Haupt der zweiten kurfürstlichen Kirchenvisitation war (1533), da er der aööerersten (sie fing 1527 an) nur als einer der Stellvertreter Luthers in Behinderungsfällen beigewohnt hatte. Nach verschiedenen andern zum Nutzen der evangelischen Kirche verrichteten Geschäften und gelehrten Arbeiten, wohin die Verdeutschung der Lutherschen Schrift von der Winkelmesse und berühmter Werke Melanchthons (apologie Aug. Confess. und loci theologici), so wie die Unterstützung Luthers bei der Bibelübersetzung gehört (auch das bekannte Kirchenlied: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort u. s. w. soll von ihm seyn), verließ er Wittenberg (1541), folgend einem Rufe nach Halle als Prediger und geistlicher Inspector, jedoch mit Beibehlautung des Probsttittels und eines Theiles der mit dieser Wittenberger Stelle verbundenen Einkünfte, was alles Luther ihm auswirkte, welcher den Mann ungemein schätzte und als einen ausgezeichneten und frommen Prediger, den man zu Wittenberg ungern misse, öffentlich rühmte. Doch in Halle mußte dieser Redliche endlich dem Privathaß weichen. Denn als am 22. November desselben Jahres (1546), in welchem er den Vater Luther auf seiner Reise nach Eisleben begleitet, ihm daselbst die Augen zugedrückt, über die Schriftstelle 1. Thessal. 4, 13-18 die Leichenpredigt gehalten und bis nach Wittenberg an die Gruft das Geleite gegeben hatte, Herzog Moritz die Stadt Halle in seine Gewalt bekam, wurde auf dessen Befehl, Jonas, bei dem Fürsten verleumdet, seines Amtes entsetzt, nachdem er es für rathsam gehalten, die Stadt zu verlassen. Er fand erst in Wittenberg, dann in Coburg freundliche Aufnahme, wurde hier endlich Superintendent und starb daselbst am 9. October 15555. Sein gleichnahmiger Sohn (der Vater hatte im Jahre 1521 "eine Falkin" geheirathet), ein geschickter Jurist, mischte sich in die Grumbachischen Händel, wurde mit geächtet und am 28. Juni 1567 in Kopenhagen enthauptet.

M. Georg Spalatin, so genannt nach damaliger Sitte von seinem Geburtsorte, dem Städtchen Spält, etwa fünf Meilen südlich von Nürnberg, woselbst er einem Rothgeber, Namens Bürckhard im Jahre 1482 geboren wurde. Er studierte in Nürnberg und, gleichzeitig mit Luther, in Erfurt, erhielt 1502 in Wittenberg bei der allerersten Promotion der Philosophen die Magisterwürde, widmte sich zu Erfurt den Rechten und ging dann erst zur Theologie über. Im Jahre 1507 zum Priester geweiht, trat er das Pfarramt in dem Thüringschen Dorfe Hohenkirchen und schon das Jahr darauf die Stelle eines "praeceptors" im nahen Kloster Georgenthal an. Bald ward sein wissenschaftlicher Werth erkannt und dieses hatte zur Folge, daß man ihm von 1509 bis 1511 die Erziehung des nachmaligen Kurfürsten Johann Friedrich und dann die Leitung zweier Braunschweigischen Prinzen bei ihren Studien in Wittenberg anvertraute. Dadurch lernte ihn Kurfürst Friedrich der Weise kennen und schätzen, und dieser machte ihn von 1514 an, kurz hinter einander, zu seinem Hofcapellan, Geheimschreiber und zum Canonicus am Georgenstift in Altenburg, ließ ihn auch bis an seinen, des Kurfürsten, Tod fast nicht von der Seite, wodurch er natürlich in Berührung mit den ausgezeichnetesten Männern seiner Zeit kommen mußte. Stand er bei diesen in hoher Achtung, (Melanchthon war seit 1518 sein warmer Freund), so war er dagegen Luthers Vertrauter, und dieß im vollsten Sinne, an ihn schrieb der große Reformator seine meisten, freundschaftlichen Briefe, 415 an der Zahl, und was nur einigermaßen für Luther wichtig war, theilte dieser seinem Spalatin in den liebreichsten Ausdrücken mit. Auch des nachfolgenden Kurfürsten Werthschätzung blieb Letzterm, als er sich nach dem Tode Friedrichs des Weisen vom Hofleben zurücgezogen und das Pfarramt in Altenburg angetreten hatte, woselbst er sich um die Feststellung der Reformation unsterbliche Verdienste erworben. Sein Wirkungskreis erweiterte sich aber immer mehr nicht nur hier, wo er seit 1528 Superintendent war, sondern auch durch die Theilnahme an den Kirchenvisitationen, zu welchen er nicht allein vom Kurfürsten sondern auch ovn Herzog Heinrich wiederholt zugezogen (Luther nennt ihn daher einmal im Scherz den Erzbischof von Meißen), wobei er ausnehmend brauchbar erfunden wurde, weil er, der weniger leicht etwas Eigenes zu unternehmen wagte, sich desto glücklicher in Andere finden konnte und deren begonnene Werke forzuführen wußte. So war er, auch als Schriftsteller, besonders als Biograph Sächsischer Fürsten und Annalist, unermüdet thätig und noch 1542 Mitvisitator in Wourzen, bis sich im Jahre 1544 seiner ein Trübsinn bemächtigte, welchen zu verscheuchen weder fürstlichen noch freundschaftlichen Tröstungen gelang, er nahm ihn mit in´s Grab, denn er starb zum Glück bald darauf, umgegeben von seiner Gattin (er hatte 1525 geheirathet), seinen beiden Töchtern und mehreren Freunden, am 16. Januar 1545 und fand vor dem Altar der Bartholomäikirche zu Altenburg seine Ruhestätte; sein Freund Luther überlebte ihn bekanntlich nur dreizehn Monate.

D. Melchior von Creuzen, aus einer, schon im 13. Jahrhundert vorkommenden adeligen Familie stammend, war einer der sechs Söhne Bernhards von Creuzen auf Niederndorf und der Anastacia von Beulbar aus Beulbar, (beide Orte liegen im Weimarischen) und bereits in frühern Jahren mit den Grundsätzen der Reformatoren bekannt geworden, indem er eine Zeit lang in Wittenberg studirt hatte. Er wurde in der Folge Doctor der Rechte und ein hochbetrauter Staatsmann in kurfürstlich Sächsischen Diensten, wo er nicht nur als Rath und, wie es damals hieß, Hauptmann der Aemter Colditz und Leißnig fungiert hat, sondern auch zu den wichtigen außerordentlichen Sendungen verwendet worden ist. Auf einer solchen machte Herzog Heinrich seine Bekanntschaft, denn er war es, durch welchen der Kurfürst diesen seinen Vetter um den Beitritt zum Schmalkaldischen Bunde beschickte (7. Januar 1537) und auch nahc kurzer Unterhandlung glücklich dafür gewann. Heinrich wünschte daher, daß ein so gewandter Mann ihn bei der Religionsveränderung in Freiberg unterstützen möchte, und so findet man ihn in den Pfingsttagen desselben Jahres (16. Mai) unter den dasigen Kirchenvisitatoren, wornach man sich nicht wundern darf, daß sich der Herzog seiner wieder bediente, als er im Jahre 1539 sein ganzes Markgrafthum Meißen einer Visitation unterwarf. Aber auch in ansehnlichen Geschäften seines Herrn, des Kurfürsten, treffen wir weiterhin diesen Beamten an, besonders da sich Johann Friedrich veranlaßt sah, die Wahl Julius Pflugks zum Bischof von Naumburg zu hintertreiben. Damals (1541) mußte sich unter andern auch der D. von Creuzen nach Naumburg begeben und mit dem Domcapitel unterhandeln, mußte, als diese Unterhandlung fruchtlos blieb, vom Schloße in Zeitz Besitz nehmen, von da aus aber bis zu des Bischofs Nikolaus von ambsdorf Ankunft die Stelle des Stiftshauptmanns vertreten, in welcher Würde ihn dieser neue Bischof bestätigte, jedoch hat er sie nur wenige Jahre (etwa bis 1544) bekleidet. Er war ein frommer und wohlthätiger Mann, letzteres besonders gegen arme und kinderreiche Geistliche und es wird ihm deswegen von Melanchthon das verdienteste Lob gespendet. Desto überlar war Luther auf ihn und besonders sein Verfahren an der Seite Amsdorfs zu sprechen, weil er neben ihm (Luther) versprochen hätte, außer dem papistischen Greueln im Stift Naumburg nichts zu ändern und nun dem zuwider ganz eigenmächtig handle, so daß die Leute über ihn schrieen, ja den Bischof Amsdorf selbst tyranisire, weswegen dieser lieber hinweg wolle. Fast ein Jahr vorher, ehe von Creuzen von der stftischen Verwaltung abging, fragt Luther bei Amsdorf an, ob denn jener immer noch nicht abgesetzt sey, und als er endlich dessen Rücktritt erfährt, wünscht er dem bischöflichen Freunde Glück, von einem solchen Tyrannen befreit worden zu seyn. Doch der große Reformator läßt in dieser Zeit auch anderswärts eine viel zu trübsinnige Ansicht von der Sachlage und eine zu große Verstimmung, ja Erbitterung gegen den Adel zumal, blicken, als daß man lediglich auf solche Beschuldigungen hin einen sonst verdienstovllen Mann verurtheilen könnte. Uebrigens besaß dieser Staatsbeamte das im Jahre 1543 oder, wie andere wollen, schon um 1530 einem Herrn von Draschwitz abgekaufte Rittergut Frohburg und vererbte es auf seine Nachkommen, deren er allein zehn Söhne besaß, welche ihm eine einzige Gattin geboren hatte. In Frohburg wurde er auch begraben, und sein in dasiger Kirche vor dem Altar liegender Grabstein mit dem des darunter Ruhenden Bilde in Lebensgröße von Messing nennt das Jahr 1555 als Todesjahr.

Caspar von Schönberg war einer von den fünf Söhnen des Erbherrn auf Reinsberg, Wilsdruf und Limbach, Hanns von Schönberg, und der Brigitta von Bünau aus dem Hause Droysig und ward im Jahre 1504 geboren. Auch er soll, gleich seinem Vetter Anton von Schönberg auf Rothschönberg, um seines Glaubens willen den Verfolgungen Georgs ausgesetzt gewesen und deshalbt genöthigt worden seyn, nach Freiberg zu flüchten (1533), wo er auch nach seines Bedrückers Ableben seinen Wohnsitz aufgeschlagen und in großem Ansehn gestanden habe. Neben den, von Heinrich ihm mit übertragenen, Berrichtungen eines Kirchenvisitators hatte er auf der Visitationensreise das besondere Geschöft, auf Rechnung der herzoglichen Casse überall die Bewirthung der Visitatoren mit ihrem Gefolge in angemessenen Gasthäusern zu übernehmen, auch nach seinem Ermessen die Ortsbehörden mit zur Tafel zu ziehen, und bewies in dieser zwiefachen Stellung einen Eifere, der nach Beendigung des Werkes die rühendste Anerkennung von Seiten derer fand, welche an der Spitze der Commission gestanden hatten. Gewiß eine Folge davon war, daß er im Sommer des folgenden Jahres den bedeutsamen Posten eines Amtmanns zu Meißen erhielt, auf welchem er dem bekannten Ernst von Miltitz folgte, welcher es von 1538 an gewesen und eben zu noch höhern Staatsämtern aufgestiegen war. Auch dem Kurfürsten konnten des von Schönberg der guten Sache der Religion geleistete Dienste nicht verborgen geblieben seyn, gleichwohl ist von diesem Fürsten, in Folge politischer Rücksichten, das Vaterherz des wackern mannes sehr betrübt worden. Denn als Johann Friedrich am 5. April 1547 die Uebergabe der Stadt Meißen erzwungen, ließ er auf Anrathen seines Oberjägermeisters, Georg von Goldacker, eines Thüringers, am 16. desselben Monats drei und zwanzig Söhne adeliger Familien von der Fürstenschule wegnehmen und als Geiseln zu Schiffe nach Wittenberg bringen, und unter diesen waren drei Söhne unsers von Schönberg, Namens Caspar, Haubold oder Hugold und Lorenz, von denen sich der erste seit 1543, die letzteren seit 1546 in der Anstalt befanden. Es heußt, diese jungen Schönberge wären deswegen mitgenommen worden, damit ihr Vater seinen ganzen Einfluß anwenden möchte, daß Freiberg kurfürstliche Truppten einnähme, und nachdem das letztere, aber wohl nicht das erstere, geschehen, (die Besitznahme erfolge an demselben 16. April) hatte man sie sogleich wieder frei gegeben. Der Vater, welcher außer Reinsberg auch das von seinem Bruder auf ihn vererbte Wilsdruf, aber schwerlich Purschenstein, besaß, überlebte diesen Unfall noch lange und die Landesherren haben ihn noch manchmal zu außerordentlichen Verrichtungen gebracht, deren wichtigste wohl die Theilnahme an der im jahre 15555 gehaltenen Kirchenvisitation im Meißner und gebirgischen Kreise gewesen seyn möchte. Er starb im jahre 1562, von den Söhnen aber ist Caspar der erste Präsident des Appellationsgerichts geworden und als geheimer Rath und Oberconsistorialpräsident verstorben (21. Januar 1586), Haubold, Amtshauptmann in Großenhain, Nossen und Meißen gewesen und hat nach seinem Absterben (17. Januar 1588) in der letzten Stadt seine Ruhestädte in der Stadtkirche gefunden, und Lorenz, welcher Berghauptmann in Freiberg geworden, am 18. Mai 1588 zu Karlsbad in die Ewigkeit gegangen. Die beiden letzten zählte Meißens erwürdiger Stadtpfarrer Johann Weiß unter seine Gönner und Wohlthäter.

Rudolph oder, nach alter Schreibart, Rutzschel von Rechenberg erblickte das Licht im Jahre 1495 auf dem Rittersitze Graupzig bei Lommatzsch. Zwei von seinen Ahnherren hießen Caspar. Der ältere befehligte im Hussitenkriege vor der Schlacht bei Außig die Besatzung dieser Stadt, der jüngere, Besitzer des Rittergutes Linz, starb während einer Wallfahrt in das heilige Land auf dem Berge Sinai (1518) und beschied zu seinem Seelgeräth den Dominicanermönchen in Freiberg die bedeutende Summe von 930 Gulden. Dessen Vetter und Testamentsvollstrecker Ulrich, Rudolphs Vater, soll Graupzig schon 1488 besessen haben und einer der Richter bei dem Hofgericht unter dem rothen Thurme auf dem Schloßplatze zu Meißen, deshalb aber frei von Ritterdiensten gewesen seyn, und vielleicht war diejenige Barbara von Rechenberge, welche im Jahre 1478 als Unterpriorin im Kreuzkloster bei Meißen vorkommt, eine Schwester desselben. Rudolph von Rechenberg besaß außer Graupzig auch das nahe Rittergut Pärschnitz und wurde mit diesen Gütern nebst Zubehör und Obergerichten darauf vom Herzoge Heinrich am 24. Mai 1540 beliehen (Porschnitz war damals nur Vorwerk). Er, auch einer der Georg´schen Glaubensmärtyrer, erhielt gleichfalls das Lob ausgezeichneter Dienste, welche er dem Vaterlande bei Gelegenheit der ersten Kirchenvisitation geleistet, und als der Herzog für das nächste Jahr eine zweite anordnete, beschloß er, dieses Mannes Einsicht und erfahrung wieder dabei zu benutzen. Auf diese Weise ist Rudolph von Rechenberg sehr bald der Stadt Meißen in Sachsen der Religion zum zweitenmale nützlich geworden und auch ihn finden wir weiterhin als Regierungsbevollmächtigten in weltlichen Angelegeneheiten, z. B. 1545 in einer Streitsache des obigen Caspar von Schönberg. Sein Lebensziel erreichte er auf dem Gute Porschnitz den 13. April 15555, oder am Ostersonnabend des Nachts zwischen 10 und 11 Uhr, und ward in die Kirche zu Leuben begraben, wo man noch jetzt rechts vom altar seinen Denkstein sieht, (das Mittelbild stellt einen vor dem Gekreuzigten knieenden Ritter dar) dessen deutsche Inschriften sich gut lesen lassen. Muthmaßlich waren Balthasar, Rudolph und Ulrich Söhne von ihm, der erste erscheint im Jahre 1543 als des Markgrafen von Brandenburg Gesandter auf dem Nürnberger Reichstage und wird um 1550 als Eigenthümer von Graupzig erwähnt, die übrigen besaßen dasselbe Gut, aber 1567 nicht mehr, es war bereits auf dei von Schleinitz übergegangen, Porschnitz mögen sie, wenigstens Ulrich, wohl noch gehabt haben.

Diesen Männern also vertraute der alte Herzog die allererste Visitation der Kirchen und geistlichen Stiftungen in der Stadt und dem ganzen Lande Meißen hoffnungsvoll an , nachdem er unter dem 10. Juli 1539 den "verordneten Visitatoren", wie sie sich schrieben, eine schriftliche Geschäftsausweisung von der größesten Ausführlichkeit ertheilt hatte. Aber so rege war die Theilnahme der Fürsten an den geistigen Bedürfnissen und dem Seelenheil der Bewohner Meißens, daß sie der Eröffnung der dasigen Krichenvisitation in eigner hoher Person beizuwohnen sich herabließen. Am 14. Juli trafen daselbst ein der fromme Landesherr mit seinen Prinzen Moritz und August, so wie der Kürfürst von Sachsen Johann Friedrich nebst seinem Bruder, dem Herzoge Johann Ernst, es kamen in dieser Herren Gefolge die Theologen Nikolaus von Amsdorf, D. Jakob Schenck, Sebastan Steude (diese mit dem Kurfürsten) und der Hofprediger Paul Lindenau (dieser mit dem Herzoge Heinrich), es kamen die hier ihr heilsames Werk beginnen sollenden Kirchenvisitatoren, und so sah Meißen in seinen Mauern eine Versammlung, dergleichen es seit den großen Festlichkeiten zu Ehren des heilig gesprochenen Bischofs Benno so glänzend nicht wieder gesehen; wie hatten sich doch seitdem die Zeiten geändert! Denn schon in der nächsten Nacht wurde jenes Benno´s prächtiges Grabmal, bei welchem, vermöge einer Stiftung, täglich vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne eine Lampe brannte, aus der Domkirche entfernt, und kann sich Spalatin, wo er davon erzählt, nicht enthalten, jenes Grab einen Greuel und diesen Benno einen Götzen zu nennen, ja alle Visitatoren stimmten darüber überein, die Bennoverehrung sey ein Baalsdienst gewesen. Vom folgenden Tage an, welcher bedeutungsvoll genug nach dem römischen Festcalener der Tag der Aposteltheilung, also der 15. Juli und damals ein Dienstag war, predigten sämmtliche (?) evangelische Gottesgelehrte in der Domkirche und beganngen die fürstlichen Commissarien ihre wichtigen Visitationsarbeiten, mit welchen billig ein neuer Abschnitt anhebt."

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Johann Ludwig Rüling, Geschichte der Reformation zu Meißen im Jahre 1539 und folgenden Jahren nebst beweisenden und erläuternden Anmekrungen. Auch ein Beitrag zur dritten Jubelfeier dieses denkwürdigen Ereignisses, Meißen 1839, S. 60-69.