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Heft 1

A |E | I | O | U … Hör gut zu!

Dieses Arbeitsheft beginnt mit einem Vorkurs zur “phonologischen Bewusstheit” und übt das Silbenglieder, das Anlauterfassen und das Reimwortfinden.

Die Afrakirche

Die Afrakirche

Paul Reinhard

Die Afrakirche

Postkarte St. Afra Kirche zur Freiheit, 1922
Postkarte St. Afra Kirche zur Freiheit, 1922

"Die Afrakirche soll Bischof Dietrich I., welcher von 1024 bis 1039 auf dem bischöflichen Stuhle saß, gestiftet haben. Das von Augstinermönchen, oder, wie sie sich lieber nannten, Chorherren, bewohnte Closter St. Afra, stiftete erst Bischof Dietrich II. im J. 1205. Aus der Stiftungsurkunde sieht man deutlich, daß die Kirche weit früher, als das Kloster, bestand auffallend ist es aber, daß sie in den Urkunden des zwölften Jahrhunderts niemals erwähnt wird, ungeachtet man annehmen muß, daß die Domherren vor Erbauung des Closters den Kirchendienst in der Afrakirche zu besorgen hatten, welche lange Zeit die eigentliche Parochialkirche der Stadt war, zu welcher die dermalige Stadtkirche - vormals die Mariencapelle - gleichsam als Filial gehörte, daher denn noch im J. 1457 Irrungen darüber entstanden, ob die Bürger in der Stadt ihre Kinder in der Afrakirche oder in der Stadtkirche taufen lassen müßten. Die Afranischen Chorherren blieben auch stets in enger Verbindung mit den Domherren und hatten in der Kirche, so wie bei Processionen ihren Platz zwischen den Domherren und den ewigen Vicarien. Sonderbar ist es, daß Dietrich die von ihm gestiftete Kirche der heil. Afra, einer Heiligen, die erst späterhin allgemeiner bekannt wurde, widmete. Ihr Vater soll König in Cypern gewesen seyn, und ein Zufall sie nebst ihrer Mutter Hilaria und deren Bruder Sofimus in das römische Gebiet und von da weiter nach Augsburg geführt haben. Hier sollen Mutter und Tochter und drei andere Mädchen: Eunomia, Eutropia und Diana im dritten Jahrhunderte ein öffentliches Freudenhaus unterhalten haben, jedoch vom Bischof von Gerona, Narciss, bekehrt und getauft worden seyn. Ihre Heiligkeit erlangte sie durch ihren Tod. Der römische Landpfleger verdammte sie 303 zum Scheiterhaufen, ihr Körper wurde aber von den Flammen nicht verzehrt. Bischof Walrich baute 600 Jahre nach ihrem Tode eine Capelle auf ihrem Grabe und im Jahre 1064 erhob man ihre Gebeine zur öffentlichen Verehrung. Ob Bischof Dietrich, wie Ursinus vermuthet, durch die Wahl der Schutzheiligen die Absicht hatte, seinen Domherren, welche in der Nähe der Afrakirche ihre meisten Curien hatten, ihre Sittenlosigkeit vorzuwerfen, muß man dahin gesstellt seyn lassen."

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Reinhard, Paul, Die Stadt Meissen, Geschichte, Merkwürdigkeiten und malerische Umgegend, Meißen 1829, S. 73-75.

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